Und dann kam Amy
- Gabriele Kolup

- 25. Apr. 2025
- 3 Min. Lesezeit

Von Loriot stammt das Zitat „Ein Leben ohne Mops ist möglich, aber sinnlos.“ – Dieses Zitat lässt sich natürlich auf alle Hunde dieser Welt umlegen!
Sind Sie ein Hundemensch?
Hundemenschen verstehen sich ohne Worte. Du erkennst sie daran, dass sie deinen Hund mit diesem gewissen Blick und Leuchten in den Augen ansehen, wenn du ihnen auf der Straße begegnest. Du erkennst sie daran, dass sie sich trotz schicker Kleidung zu deinem Hundekind niederknien, um es ausgiebig zu knuddeln. Du erkennst sie auch daran, dass sie den Schmerz über den Tod deines geliebten Hundes, der in keinem Unterschied zu dem eines geliebten Menschen steht, verstehen.
Amy ist mein zweiter Hund. Wir haben sie ein Jahr nach dem Tod unserer geliebten Hündin Gina bei einer Züchterin übers Internet gefunden (man kennt das ja 😉) und verliebten uns sofort in sie. Sie – damals noch die namenlose „Nummer 5“ von sechs Welpen – sah mit ihrem schwarzen Fleck über dem linken Auge wie ein kleiner Pirat aus und für meinen Mann und mich stand sofort fest: DIE wollten wir!
Seit dem 25. Juni 2016 ist Amy nun ein Teil unserer Familie und wird heute noch immer von vielen Menschen fälschlicherweise für einen Junghund gehalten. Ihr - nennen wir es - ein wenig infantiles Wesen erinnert an den Zeichentrickhund Scooby-Doo. Sie hat Modelbeine wie Claudia Schiffer, die mich vor Neid erblassen lassen und die eine grandiose Sprungkraft haben. Schon als Welpe hüpfte sie wie eine Gazelle aus dem Stand auf Bänke und Sessel und mittlerweile „fliegt“ sie nur so durch die Wohnung, wenn sie gerade ihre „energiegeladenen“ zehn Minuten hat (und die hat sie oft)!
Während ich diese Zeilen schreibe, sitze ich auf unserem Sofa, den Laptop vor mir auf dem Schoß und mein Hundemädchen liegt hinter mir auf der Lehne, von mehreren Pölstern weich gebettet, ihr Köpfchen an meinen Hals geschmiegt und blickt mir aufmerksam über die Schulter.
Zu Beginn suchte und fand ich noch viele Eigenschaften unserer bereits verstorbenen Hündin Gina in ihr. Dachte sogar, dass ein Teil von Gina in ihr nun wieder weiterleben würde. Doch je länger Amy bei uns war, umso mehr erkannte ich ihre vielen kleinen und großen Eigenarten, die sie zu einem einzigartigen Individuum machen. In den ersten Wochen war Amy überhaupt keine Schmusemaus. Wenn sie müde war, robbte sie unter unsere Couch und ward nicht mehr gesehen. Bitter, wenn man sein Hundebaby eigentlich am liebsten den ganzen Tag über im Arm halten würde. Doch zum Glück stellte sich heraus, dass Amy einfach nur etwas mehr Zeit brauchte und von Tag zu Tag entwickelte sie mehr Vertrauen und Selbstbewusstsein.
Heute ist sie zwar älter, aber immer noch überzeugt davon, dass sie ein Baby ist – ein sehr spezielles Baby mit selektivem Gehör und einem ausgeprägten Talent dafür, mitten im Weg zu stehen.
Was Amy besonders macht? Nun, Amy ist ein Hund mit vielen Ängsten, die da unter anderem sind: Autos, der unheimliche Trolley des Briefträgers inklusive dem Briefträger, Amazon- und Essenszusteller, fremde Männer, die sich zu ihr hinunterbeugen… Die Liste ließe sich unendlich fortsetzen. Manchmal scheint es, als wäre das Leben außerhalb der vier Wände eine einzige Bedrohung für sie. Hätte Amy die Wahl, dann würde sie (zumindest in der Stadt) am liebsten in einem ewigen Lockdown leben. 😊
Amy wird nie so draufgängerisch und mutig wie unsere Hündin Gina sein, aber gerade das macht sie zu so einem einzigartigen Wesen. Wir gehen mit ihr Tag für Tag gemeinsam den Weg in eine offenbar täglich über Nacht für sie wieder unbekannt gewordene Welt. Manchmal fühle ich mich, als würde ich mich mit ihr in der Zeitschleife des Films „Und täglich grüßt das Murmeltier“ befinden. Ein neuer Tag – und die gemeisterten Herausforderungen des Vortages sind wieder vergessen. Doch mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt, Mama eines „Hundes mit besonderen Bedürfnissen“ zu sein. Unser Bestärkungswort „MUTIG“ hat uns schon viele gruselige „Klippen“ umschiffen lassen.
In den ersten Jahren bedeutete dies alles eine große Herausforderung und auch viele Einschränkungen für uns, doch mittlerweile haben wir uns mit Amy und ihren schrulligen Eigenheiten arrangiert und versuchen nach wie vor, ihre Welt jeden Tag ein bisschen größer zu machen.
Neun Jahre ist sie nun alt – meine kleine, lustige, manchmal etwas schusselige Parson Russell Terrier Hündin Amy. Neun Jahre voller Chaos, Charme und gelegentlicher Nervenzusammenbrüche (meinerseits). Happy Birthday, du verrückter kleiner Hund. Bleib wie du bist – ein B(Engel) auf vier Pfoten. ❤️





