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Wo Tauben sind...

  • Autorenbild: Gabriele Kolup
    Gabriele Kolup
  • 10. Jan. 2025
  • 2 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 3. Jan.

© Foto: Gabriele Kolup (erstellt via Samsung KI)
© Foto: Gabriele Kolup (erstellt via Samsung KI)

„Wo Tauben sind, fliegen Tauben zu“ lautet ein altes Sprichwort. Schon in meiner Kindheit hörte ich diesen Spruch oft von meinen Großeltern, doch erst später realisierte ich, dass dies tatsächlich auch der Wahrheit entspricht. Es ist sozusagen ein universelles Gesetz, das in allen Lebensbereichen seine Berechtigung hat.


Bezogen auf das Thema Geld bedeutete das: Je mehr Geld jemand besitzt, umso leichter wird es sein, dieses zu vermehren. Denn allein der Vergleich, wie groß der Unterschied zwischen der Inflationsabgeltung des Gehaltes eines Spitzenverdieners im Gegensatz zu dem eines Mindestlohnempfängers ist, macht klar, weshalb sich die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander entwickelt.


Wie ich auf solch ein sperriges Thema in meiner zweiten Kolumne dieses Jahres komme?

Nun, am vergangenen Mittwoch war es wieder einmal so weit: Am 8. Jänner beging Österreich den „Fat Cat Day“. Noch nie gehört? An diesem Tag haben die zwanzig Vorstandsmitglieder der größten Konzerne Österreichs ab Jahresbeginn gerechnet so viel verdient, wie das Jahreseinkommen eines durchschnittlichen Beschäftigten ausmacht. Lag vor zwanzig Jahren das Verhältnis zwischen einem Durchschnittsverdiener und einem Spitzenmanager bei 1:24, so liegt es mittlerweile bei fast 1:80.


Ohne polemisch oder neidig sein zu wollen, doch ist der Mehrwert eines Spitzenverdieners tatsächlich um so vieles größer als jener eines Mindestlohnempfängers? Sind nicht gerade jene Menschen, die nicht unbedingt die Gewinner in der Gehaltspyramide sind, oft die wahren Leistungsträger der Gesellschaft? Halten nicht gerade Sie unser System (egal ob beim Thema Gesundheit oder auch in anderen Bereichen) am Laufen und sorgen für die vielen kleinen und großen Annehmlichkeiten in unserem Leben? Wir neigen dazu, ihre Arbeit als selbstverständlich anzusehen und wird uns deren Fehlen meist erst in Krisen schmerzlich bewusst.

Studien belegen, dass kaum mehr als ein Prozent der erwachsenen Weltbevölkerung nahezu fünfzig Prozent des globalen Vermögens besitzen. Blicken wir nach Österreich so sind fast fünfzehn Prozent der Bevölkerung armutsgefährdet, was bedeutet, dass ihr Einkommen unter der Armutsschwelle liegt.


Der Umstand, dass die Kluft zwischen Arm und Reich immer größer wird, wirkt sich negativ auf unsere Gesellschaft aus. Je ungleicher das Geld verteilt ist, umso größer werden soziale Unterschiede, umso rauer weht der (politische) Wind. Die Geschichte lehrt uns, dass in Zeiten der Not nach einer ersten großen Solidarisierung irgendwann der Punkt kommt, an dem der Zusammenhalt in der Gesellschaft brüchig wird. Denn Armut reproduziert Armut und die damit einhergehende Ausgrenzung und Chancenlosigkeit können sich im schlimmsten Fall zu einem Pulverfass entwickeln. 


Und egal ob es sich um Migrationswellen von anderen Kontinenten, die nicht nur durch Kriege und Mangel sondern auch die Folgen des Klimawandels initiiert wurden oder die wachsende Not im eigenen Land handelt: All das wirkt sich fatal auf das Funktionieren von Demokratie und das gesamtgesellschaftliche Zusammenleben aus. Die großen Probleme unserer Zeit wird jeder Einzelne von uns nicht lösen können, doch wir können bei uns selbst im Kleinen beginnen. Bringen wir wieder mehr Wertschätzung in unseren Alltag.  Denn all das, was wir heute säen, werden wir eines Tages ernten.

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