Du und ich für immer
- Gabriele Kolup

- 8. Feb. 2025
- 3 Min. Lesezeit

"Du und ich für immer." - Wie oft in unserem Leben haben wir diesen Satz gedacht oder ausgesprochen. Die Liebe: dieser übergroße Puzzlestein unseres Lebens, der uns scheinbar erst vollkommen macht. Wenn es die Liebe gut mit uns meint, dann kann sie uns den Himmel auf Erden bescheren. Unser Herz zerspringt fast vor Glück allein beim Gedanken an jenen einen Menschen. Die erste Zeit der Verliebtheit ist ein Geschenk, aber sie gleicht eher den Trockenübungen beim Schwimmen. Verklärt vom Hormoncocktail, der unseren Körper durchströmt, sehen wir unser Gegenüber durch die rosarote Brille und malen es uns schön.
Erst wenn der erste Rausch vorbei ist und der Alltag Einzug nimmt, beschleicht den ein oder anderen erstmals das Gefühl, dass der vermeintliche Traumpartner doch nicht so fehlerfrei ist, als man in der ersten Gefühlsduselei angenommen hatte. Aus einem „für immer“ wird plötzlich ein „mal schauen“. Die Realisten unter uns wissen, dass man niemals das Gesamtpaket bekommen wird. Und natürlich stellt auch jeder Mensch andere Ansprüche an die Liebe. Doch erst der Sprung ins kalte Wasser zeigt, ob sie Bestand haben wird. Daran führt kein Weg vorbei und auch nicht an den Enttäuschungen, Kränkungen, den vielleicht vermeintlich verlorenen Jahren, wenn sie dann einmal doch gehen sollte.
Weshalb ich dieses Thema aufgegriffen habe? Nun, kommenden Freitag ist es wieder einmal so weit: der Valentinstag wird gefeiert. Diesem Tag kann sich keiner entziehen, denn schon jetzt machen uns Werbung und Medien auf das kommende „Fest der Liebe“ lautstark aufmerksam. Laut Wikipedia geht das Brauchtum dieses Tages auf das Fest des heiligen Valentinus zurück, der offenbar ein Märtyrer war, aber auch den Paaren Blumen aus seinem Garten übergeben haben soll.
Dies ist nur eine sehr kryptische Zusammenfassung von Daten, die das Internet zu diesem bedeutungsschwangeren Tag ausgespuckt hat, aber damit ist im Prinzip auch schon alles Wesentliche gesagt, denn Märtyrertum ist ja oftmals ein Teil von Beziehungen. Und dass der heilige Valentin just am 14. Februar 269 enthauptet wurde, sollte uns an der Sinnhaftigkeit, diesen Tag zu feiern, eigentlich zweifeln lassen. 😉
Die Liebe ist ein seltsames Spiel…
Schon in den 60er Jahren besang Connie Francis in ihrem Lied „Die Liebe ist ein seltsames Spiel“ die Irrungen und Wirrungen von Beziehungen. Als Teenager träumen wir von der einen großen Liebe. Wir träumen von jenem einem Menschen, der uns ein Leben lang glücklich macht, der unser Blut in Wallung bringt und unser Herz schneller schlagen lässt. Jahrzehnte später sind wir vielleicht mit jenem einem Menschen verheiratet, der unser Blut bestenfalls damit in Wallung bringt, dass ER wieder einmal seine Socken nicht weggeräumt oder SIE sich das gefühlt hundertste Paar Schuhe gekauft und die Wohnung damit zugemüllt hat. Und unser Herz schlägt nur dann schneller, wenn wir uns im Streitgespräch wieder einmal über die Nichterfüllung unserer Beziehungswünsche echauffieren.
Manchmal denken wir, dass, wenn wir nur diesen einen Menschen, der für uns bestimmt ist, finden würden, endlich angekommen wären. Es müsste doch eigentlich alles so einfach sein, wenn man den passenden Deckel zu seinem Topf gefunden hätte. Dabei übersieht manch einer aber, dass auch der eigene Topf voller Dellen und Makel ist. Da er schon einige Male zu Boden gefallen ist, ist er bereits etwas verformt und verzogen und selbst der eine Deckel, der passend gewesen wäre, vermag nicht mehr zu halten.
Die Liebe tritt laut und bunt als Verliebtheit in unser Leben. Doch irgendwann verstummen die Fanfaren und wir müssen genau hinhören, wenn wir weiterhin ihre Worte hören möchten. Dass Männer und Frauen in verschiedenen Sprachen sprechen, braucht hier nicht extra erwähnt zu werden, aber wenn wir Glück haben, kreieren wir unsere eigene Sprache. Zwischen Streit, Unzufriedenheit und Missverständnissen wird sich, wenn wir Glück haben, eine zarte Pflanze ihren Weg in die Widrigkeiten der Welt der Beziehungen bahnen, die uns an vielen Tagen wunderschöne Momente mit Rotwein, Kerzen und einem "Du und ich für immer" schenken wird. Und selbst wenn diese Pflanze zwanzig Jahre später ein verholzter, unansehnlicher Strauch geworden sein mag, so ist es an uns, diesem wieder zarte Triebe zu entlocken, die unserer Liebe neues Leben einhauchen.
Vielleicht liegt es einfach an uns zu erkennen, dass Liebe jeden Tag aufs neue genährt werden muss. Schritt für Schritt. Dass es keine Garantie für bedingungsloses Glück gibt, wir aber selbst einen großen Anteil daran haben, ob es zumindest eine Chance dafür gibt.





