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„Blue Monday“ oder: Die stille Pandemie Einsamkeit

  • Autorenbild: Gabriele Kolup
    Gabriele Kolup
  • 18. Jan.
  • 4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 1. Feb.


Morgen ist Blue Monday – sie kennen diesen Tag nicht?


Der Blue Monday fällt jedes Jahr auf den dritten Montag im Jänner und ist ein Sinnbild für den traurigsten Tag des Jahres.


Der Dezember fing viele von uns stimmungsmäßig auf. Auch wenn das Wetter kalt und ungemütlich war, die Tage kurz, die Arbeit stressig – da war die Weihnachtsstimmung, die sich wie eine warme, flauschige Jacke um unsere Seele legte.


Die Straßen und auch unsere Wohnungen waren von hellen Lichtern erleuchtet, Weihnachtsstern, Rentier-, Wichteldeko & Co brachten Farbe in den düsteren Alltag. Die Nachrichten im Fernsehen hatten wir immer öfter durch Weihnachtsfilme ersetzt, die auf manchen Sendern in Dauerschleife liefen. Die waren manchmal zwar von geradezu erschreckender Banalität und Qualität, gaukelten uns aber mit einer wärmenden Tasse Tee oder Glühwein und ein paar Vanillekipferln im Gepäck ein wundervoll leichtes, harmonisches Leben vor.


Gut, die Weihnachtsfeiertage mochten dann für den ein oder anderen unter uns wieder in Stress ausgeartet sein, so manche feiertägliche Familienzusammenführung verlief vielleicht nicht gerade harmonisch – aber das ist ein Umstand, der gerade noch in die Komfortzone des Menschen passt.


Dann folgte Silvester: Jene Nacht, die bei manchen zwar auch Ängste, aber in Summe bei den meisten Menschen große Erwartungen, Hoffnungen und Vorsätze mit sich bringt. Wir stoßen mit Sekt und Bowle an auf einen Neuanfang, Glück und die Vertreibung des Bösen gepaart mit viel Lärm und Feuerwerk, das zwar wunderschön zum Ansehen ist und unsere Seele erfreut – wie wir wissen aber viele Tier das Leben und so manchem eifrigen „Knallfrosch“ seinen Daumen oder mehr gekostet hat. Aber das ist wieder eine andere Geschichte…


Wir erwachen am 1. Jänner und das neue Jahr liegt weit vor uns. Alles scheint möglich und erreichbar, wenn wir nur fest genug daran glauben, dafür arbeiten und (das haben wir inzwischen gelernt) das Gewünschte visualisieren. Heuer, das ist gewiss, werden wir endlich jene zehn Kilos, die wir seit Jahren mit uns herumschleppen und uns regelmäßig den Sommer verderben, loswerden. In diesem Jahr werden wir jenen beruflichen Durchbruch erlangen, auf den wir schon ewig hinarbeiten. 2026 werden wir – falls vorhanden – die Beziehung zu unserem Partner auf ein neues Niveau heben, sinnlose Streitereien werden der Vergangenheit angehören und wir werden die Sprache der Liebe sprechen, die ER oder SIE sie zur Abwechslung mal endlich versteht.


Und dann kam …  das Leben.


Die Teuerung drückt nicht nur auf unser Börserl. Und die Nachrichten bestätigen: Die Welt da draußen scheint verrückt zu spielen, nichts scheint mehr sicher. Die Liste jener Dinge aufzuzählen, die uns seit Jahresbeginn in Atem halten, würde hier den Rahmen sprengen – nur so viel: Die einflussreichsten Politiker dieser Welt kämpfen um Weltmacht und Ressourcen, koste es, was es wolle. Doch auch die Gewalt gegen Frauen ist eine große Krise, die in Österreich in den wenigen Tagen des neuen Jahres bereits zwei Femizide hervorgebracht hat.


Morgen ist Blue Monday – ein Tag, der auf den britischen Psychologen Cliff Arnall zurückgeht und jenen Tag im Jänner bezeichnet, der als der deprimierendste Tag des Jahres für uns Menschen gilt. Denn nach all den Tagen des Feierns und der guten Vorsätze haben die meisten von uns spätestens an diesem Tag ihre rosarote Feiertagsbrille abgelegt. All die Diät- und Sportvorsätze wurden vom alltäglichen Wahnsinn bereits in den ersten, mühsamen Anläufen im Keim erstickt und abends werden wir von Nachrichten überschüttet, die uns in Angststarre versetzen.


Weshalb ich das alles schreibe?


Nun, vor zwei Tagen schlug die Caritas wieder einmal Alarm. Umfrageergebnisse wurden im Vorfeld des besagten „Blue Monday“ veröffentlicht und brachten hervor, dass jeder Vierte/jede Vierte von uns an Einsamkeit leidet. Caritas-Wien-Direktor Klaus Schwertner nannte es die stille Pandemie nach Corona, die bleibt und forderte einen nationalen Aktionsplan dagegen. Einsamkeit ist für viele von uns ein Tabuthema. Wer gibt schon gerne zu, dass er keine oder nur wenige Freunde hat, mit denen er sich austauschen kann? Keine Angehörige, die sich um ihn kümmern? Selbst Paare leiden an Einsamkeit, wenn der Klebstoff Liebe zwischen ihnen zu zerbröseln beginnt. Und wieder einmal ist es so, dass jene Gruppen mit dem geringsten Haushaltseinkommen von der Einsamkeit vielmehr betroffen sind als der wohlhabende Teil der Bevölkerung.


Denn wir alle wissen: Liebe lässt sich nicht kaufen, aber Einsamkeit lässt sich mit Geld mildern und abfedern. Aber Einsamkeit ist nicht nur ein Problem des Einzelnen, es ist auch ein gesellschaftspolitisches System, denn sie macht krank und belastet in weiterer Folge auch unser Gesundheitssystem, weshalb die Caritas einen Nationalen Aktionsplan fordert.

Sollten Sie sich einsam fühlen, so zögern Sie bitte nicht, Hilfe anzunehmen. Es gibt bereits jetzt niederschwellige Angebote, wie zum Beispiel das Plaudernetz. Und vielleicht wäre das ja auch für den ein oder anderen unter Ihnen ein Anstoß, sich dort als Freiwilliger zu engagieren, denn Freiwillige werden immer gesucht.


Hoffnung ist eine Handlung.


Nur wenn wir aus unserer Angst- und Schockstarre erwachen und aktiv ins Handeln kommen, können wir unsere Zukunft aktiv beeinflussen und so auch das ein oder andere Problem, das sich in unserem Wirkkreis befindet, lösen.


Hier der Link für alle Interessierten zum Plaudernetz:



In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen einen hoffnungsvollen Blue Monday!


Und hier habe ich noch ein Video für Sie: 



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