Darum leben wir

536850_R_B_by_Wolfgang Pfensig_pixelio.de

Warum lebe ich,
fragt dein Herz
wenn ich mich in der
Tretmühle des Alltags
zu verlieren glaub?

Warum funktioniere ich,
fragt deine Seele,
wenn mein Leben
als leere Hülle erscheint,
die mich zu erdrücken droht?

Wie entkomme ich,
fragt dein Verstand,
und sagt dir zugleich,
dass ein Ausweg unmöglich,
dein Leben vorgegeben sei.

Du hörst die Stimmen,
die dich ahnen lassen,
dass das Leben kein Rummelplatz,
schon gar kein Wunschkonzert sei.
Du glaubst den Worten,
die dich zur Vernunft rufen
und dir das Licht
am Ende des Tunnels schwarz malen.

Du träumst von einem Leben,
in dem du sein kannst,
wie du bist.
Träumst von einem Leben,
das sich dir selbst zum Geschenk macht.
Suchst nach einer Brücke
in diese ferne Welt.
Doch alles, was du findest
ist ein schmaler Steg ins Nichts.

Leb einfach deinen Tag
und spür in dich hinein.
Sei neugierig wie ein Kind
und mach dich auf die Suche.
Verlier dich nicht im Trott des Alltags,
der lähmt und mutlos macht.
Vergiss das Schwarz-Weiß der Vernunft
und mal dein Leben in bunten Farben.

Warum lebe ich,
fragt dein Herz,
wenn ich meine Träume
nicht verwirklichen,
meine Gaben nicht nutzen kann?

Wie überlebe ich,
fragt deine Seele,
wenn jeder Tag aufs neue lähmt,
wenn ich am Morgen schon
die Nacht ersehn?

Darum lebst du,
sagt dein Herz,
um das Lied zu singen,
das du nur kennst.

Darum lebst du,
sagt deine Seele,
um dich am Weg zu freuen,
der vor dir liegt.

Darum lebst du,
sagt das Kind,
um das Bild zu malen,
das dich sehend macht,
um die Worte zu schreiben,
die dir Leben einhauchen.

Lebe deine Träume
und mach dich ganz.
Lebe deine Gaben,
dann bist du wahrhaftig.

Bildquelle: Wolfgang Pfensig / pixelio.de

Abschied

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Der Sommer ist dem Herbst gewichen,
ein Abschiedswort blieb uns verwehrt.
Mit dir ist auch das Grün verblichen.
Du schliefst sanft ein, in dich gekehrt.

Dein Blick war trüb, der Gang schon schwer,
aus dir gewichen war die Kraft.
Der Tod kam sanft – die Wunde klafft,
die Seele dumpf, das Herz so leer…

Sanft wie ein Blatt, das schwebt im Wind,
glitt deine Seele still ins Land,
wo sie, die schon gegangen sind,
dir freudig reichen nun die Hand.

Bedenke jenes Argument:
Der Tod, er trennt zwei Welten nur.
Das Leben ist ein kurz Moment,
ein Quäntchen auf des Daseins Spur.

Bildquelle: © Gabriele Kolup

Die Geburt der Welt

Die Erde schwimmt

Ich bin.
Ja, ich bin.
Bin zum ersten Mal in meinem Leben gestrandet. Gelandet.
Durch Dich. Dich allein.
Hast meine erstarrten Mauern niedergerissen.
Hast mein Universum neu erschaffen. Göttlicher, Du.
Gnadenlos.

Los.
Ja, ich lasse los.
Habe endlich meinen Kopf abgeworfen. Wie der Baum die Frucht.
Bin nun kopflos. Bereit zur Ernte.
Habe mich gehäutet wie eine Schlange. Ohne Furcht.
Erstrahle im gold’nen Licht meiner neuerwachten Sehnsucht.
Schutzlos.

Bereit.
Ja, ich bin bereit.
Hast den Stein, der wie ein Panzer
Auf meiner Seele lastete, ins Rollen gebracht. Mit Gefühl.
Räumtest all die Mauersteine aus dem Weg.
Ausweg warst Du. Ausweg und Ziel.
Bedingungslos.

Süchtig.
Ja, ich bin süchtig.
Süchtig nach deiner Wärme. War gefroren, doch nicht erfroren.
Und dann kamst Du. Und mit Dir der Frühling.
Es taut. Trinkst gierig die ersten Tropfen von meiner Brust.
Dornröschenschlaf. Winterschlaf. Schlafsucht. Suchtgefahr.
Gefahrengut.

Ich begehre.
Ja, ich begehre.
Dränge meinen Körper an deinen – halt mich fest!
Falle ins Bodenlose. Uferlos bin ich nun, kenne keine Grenzen.
Ertrinke im Honig unserer Leidenschaft. Treibe dahin.
Kerze bin ich nun, formbar und weich. Habe meine Härte gesteinigt.
Explosion.

Schwanger.
Ja, ich bin schwanger.
Trage deine und meine Liebe in mir aus. Ein Leben lang.
Ein Samenkorn. Hast Verlangen gesät und Lust geerntet.
Lustvoll streichst du über meine Lenden, malst die Hügel meines Körpers.
Körperzeit. Du hast für mich ein neues Zeitalter eingeläutet.
Die Geburt der Welt.

Bildquelle: Rita Thielen / pixelio.de