Komm hierher

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Komm hierher,
wenn du keine Worte mehr findest,
wenn das Feuer der Leidenschaft
in dir erloschen ist.

Komm hierher,
wenn du Ruhe für deinen Geist suchst,
wenn der Alltag
deine Sehnsüchte in Ketten legt.

Es gibt nur diesen Augenblick.
Nur dieses eine Bild.

Das Rascheln der Blätter der Maisfelder
schärft deine Sinne für das Hier und Jetzt.
Torkelnde Junikäfer fliegen wieder und wieder
gegen die Regenrinne des Hauses und erinnern
dich daran, dass der Weg das Ziel ist.

Das helle Strahlen eines Glühwürmchens
dient als Licht am Weg zu deiner Seele.
Und der klare Sternenhimmel stülpt sich wie eine Kuppel
über dein Dasein und macht dir bewusst,
dass du ein Sandkorn in der Uhr des Lebens bist.

Komm hierher,
wenn du Kraft schöpfen willst,
wenn aus Ich und Du
ein Wir werden soll.

Komm hierher,
wenn das Kind in dir schaukeln will,
wenn du im zarten Gänseblümchen
die ganze Welt finden willst.

Bildquelle: © Gabriele Kolup

Es ist was es ist…

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Hast du heute schon gelächelt?
Hast du hoffnungsfroh den Morgen begrüßt?
Hast du einen Menschen liebevoll umarmt?
Hast du ganz still bei dir gedacht:
Was für ein schöner Tag?

Du eilst durch die Wartehalle des Lebens –
voller Ungeduld und ohne Blick fürs Wesentliche.
Schritt um Schritt.
Atemzug um Atemzug.
Wort um Wort.

Halt einen Moment inne
und heb den Blick.
Such nach der Sonne, dem Mond und den Sternen.
Dann wird sich der Nebel lichten.
Dann öffnen sich Türen, wo gestern Mauern waren.

Hast du heute schon gelächelt
fragen deine Lippen.
Hast du heute schon geliebt
fragt dein Herz.
Hast du heute schon gebetet
fragt deine Seele.

Du glaubst,
die Hoffnung längst verloren zu haben.
Du denkst,
dass dein Weg einst vorgezeichnet ward.
Doch du fühlst,
dass das noch nicht alles gewesen sein kann.

Es ist Illusion
sagt der Verstand.
Es ist was es ist
sagt die Hoffnung.
Es ist Humbug
sagt der Neider.
Es ist gefährlich
sagt die Furcht.
Es ist was es ist
sagt die Hoffnung.
Es ist unerklärlich
sagt der Argwohn.
Es ist Irreführung der Menschheit
sagt die Politik.
Es ist das fehlende Glied
sagt die Hoffnung…

Bildquelle: Rita Thielen / pixelio.de

Die Vertreibung aus dem Paradies

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Es ist.
Es ist Gesetz.
Es ist Gesetz, dass man sich stets
zwischen Sonne und Wasser halten soll.
Maßvoll.
Die Welt – ein Mittelmaß.
Mit zweierlei Maß gemessen.
Maßgeschneidert.
Doch nicht für mich.
Ich bin maßlos, gemessen an der Meßlatte des Lebens.
Bin mittellos.
Bin Mittel. Los!

Ich bin.
Ich bin allein.
Ich bin allein, verbannt wie einst Dädalus.
Nah dran, an den Worten meines Daseins
zu ertrinken.
Die Welt – ein Rumfass.
Doch das Fassungsvermögen ist beschränkt.
Fassungslos.
So stehe ich da.
Bin gefasst darauf, dass meine Botschaft euch nie erreichen wird.
Bin zielbewusst.
Bin Ziel. Bewusst.

Ich webe.
Ich webe Worte.
Ich webe Worte zu Sätzen, spinne aus ihnen meine Welt.
Träume mir einen Brückenschlag zum anderen
Ufer.
Die Welt – ein Provisorium.
Stets auf Provisionsbasis.
Provokation.
Meine Waffe sind Worte.
Wirke mir Flügel aus goldenem Vlies, als seien sie von selbst gewachsen.
Ich bin Zweifel los.
Ich bin. Zweifellos.

Bildquelle: © Gabriele Kolup